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Meine Meinung


Liebe Leserinnen und Leser,

machen wir uns nichts vor: wir Landwirte sind in der Regel Hersteller eines uniformen Massenprodukts wie Fleisch, Getreide und Milch, das austauschbar ist. Auch Strom ist ein uniformes Massenprodukt. Seine Produkteigenschaften sind überall auf der Erde gleich und austauschbar. So ist es kein Problem bei Dunkelflaute mit Kohlestrom aus Polen oder Atomstrom aus Tschechien sein – ach, so ökologisches - E-Mobil weiter zu betreiben. Was sich einzig unterscheidet, ist der Herstellungsprozess. Die Energie ist die gleiche und austauschbar. Niemand merkt, wo die Elektronen in der Steckdose angeregt wurden, auch wenn man von seinem Energieversorger 100 Prozent Ökostrom gekauft hat. Genauso ist es mit fast all unseren landwirtschaftlichen Produkten (Urprodukten, Rohwaren).
Von Erzeugern dieser landwirtschaftlichen Rohwaren gibt es auf der Erde eine Unzahl, auch wenn diese in den Dörfern immer weniger werden. Wir Landwirte sind überwiegend Polypolisten, die sich als Einzelne lediglich mit Senkung ihren Produktionskosten anpassen können. Auf den Marktpreis haben wir keinen Einfluss. Wenn sich auf der anderen Marktseite nur noch einige wenige Nachfrager, die Lebensmitteleinzelhändler (LEH), als Oligopolisten befinden, dann wird die Lage schwierig. Alle Forderungen nach einem „fairen Preis“ verhallen hier wirkungslos.
Es gibt im Wesentlichen zwei Reaktionsmöglichkeiten:

  1. Ich entwickle eine Marke, der ich irgendwelche Botschaften zuschreibe, um mich von der Masse absetzen und einen höheren Preis generieren zu können. In der Landwirtschaft ist das Direktvermarktung. Sie wird immer eine kleine Nische für wenige bleiben.
  2. Ich senke meine Produktionskosten, um im Wettbewerb zu bestehen.

Es ist ein Irrglaube, die Betriebe würden mehr Kühe melken, weil der Preis so schlecht ist. Nein, es wird mehr Milch pro Arbeitskraft ermolken, weil der biologisch-technische Fortschritt das möglich macht – egal wie hoch der Milchpreis ist.
Unser Dilemma ist, dass die Produktionskosten in Deutschland durch staatlich verursachte Auflagen und Kosten ständig steigen. Wir können als Polypolisten nicht reagieren und müssen aussteigen.
Was wäre also zu tun, um den Niedergang der heimischen, familiengeführten bäuerlichen Betriebe zu verringern?
Schauen wir uns nochmal die Ökostromproduktion an: Wie wurde hier der Aufbau einer unwirtschaftlichen Produktion eines uniformen, jederzeit austauschbaren Massenprodukts geschafft. Man hat den Produktpreis an das Herstellungsverfahren unter deutschen Rahmenbedingungen gekoppelt. Nicht das Produkt, sondern sein Herstellungsprozess, macht den Erlös aus. Bezahlt wird das nicht durch allgemeine Steuern (Subventionen), sondern durch direkte Abgaben, wie die EEG-Umlage, die fast jeder Stromverbraucher abführen muss, egal wodurch seine Elektronen in der Steckdose in Bewegung gesetzt wurden. Über diesen Weg hat die Bundespolitik die energiebilanziell unwirtschaftlichste Stromproduktion etabliert, die man sich denken kann – nämlich Biogasstrom aus nachwachsenden Rohstoffen. Aber, das war gut für die beteiligten Betriebe und hat Geld aufs Land gespült.  
Wenn die Politik eine heimische, familiengeführte bäuerliche Landwirtschaft in Zukunft in Deutschland erhalten will, dann muss sie den Betrieben ermöglichen, mit ihren uniformen Massenprodukten ausreichend Einkommen und Gewinn unter deutschen Rahmenbedingungen zu erwirtschaften.
Das geht z. B. über produktgekoppelte Subventionen, die aber in Deutschland abgeschafft wurden. Die GAP führt hier nicht weiter: die Erste Säule wird immer weiter abgestockt, mit zusätzlichen Kosten belastet und ist zu unspezifisch. Die Zweite Säule ersetzt im Wesentlichen nur Kosten, generiert keine Gewinne für die Bauern und hilft der Urproduktion nicht.
Ein anderer Weg, wie bei der Ökostrom-Produktion, geht über direkt gekoppelte Abgaben, dem „Verzehr-Soli“, auch Fleisch-, Milch-, oder Zuckerabgabe genannt. In der Borchert-Kommission ist die Rede von von 40 Cent pro Kilogramm Fleisch, 15 Cent pro Kilogramm Milch und zwei Cent pro Ei. Der Haken dabei: man will noch weitere produktionskostentreibende Forderungen stellen, die dann nur zu ca. 80 Prozent ausgeglichen werden sollen.
Ich halte kurzfristig einen dritten Weg für sinnvoll: Der LEH sollte alle Lebensmittel mit dem Herkunftsland des wertbestimmenden Agrarrohstoffs auszeichnen müssen. Dies kann zusammen mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum aufgedruckt werden. Produkte mit wesentlichen Bestandteilen aus Nicht-EU-Ländern müssten am Regal und auf dem Etikett deutlich gekennzeichnet werden; ähnlich wie die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln.
Das könnte die Politik ermöglichen, aber die setzt auf „Brot und Spiele“. Dabei zahlt das billige „Brot“ die heimische Landwirtschaft und die „Spiele“ werden über die GEZ mit 8,068 Milliarden Euro von den Bürgern finanziert.
Also muss es der LEH „freiwillig“ machen. Der LEH muss als das, was er zurzeit ist, gebrandmarkt werden: gierig, rücksichtslos und marktbeherrschend. Als Kriegsgewinner der Corona Pandemie und Ausbeuter der Urproduzenten in der ganzen Welt. Als jemand, der sich der sozialen Marktwirtschaft erfolgreich entzieht und dabei Milliarden an Vermögen anhäuft. Ich meine, wir müssen sie am Image packen.
Die Mahnwachen und Proteste vor den Auslieferungslagern haben hier schon einen guten Dienst erwiesen. Wir Landwirte als Polypolisten sind nicht auf Augenhöhe mit den großen Vier. Keiner von uns, egal ob DBV, LsV oder sonst wer, hat ein belastbares Verhandlungsmandat. Daher führten die Verhandlungen vor Weihnachten auch zu nichts und der Butterpreis wurde rabiat gesenkt. Der LEH muss „freiwillig“ dazu bewegt werden, seine Rohstoffe nicht zu Dumpingpreisen zu kaufen. Dabei braucht dem LEH keiner zu erklären, wie hoch die Produktionskosten für Milch oder Fleisch in Deutschland sind. Wir Landwirte sind absolut gläsern und der LEH weiß besser, als viele Bauern selbst, was die Produktion kostet.
Wie kann man den LEH denn nun dazu bewegen „freiwillig“ mehr Geld für seine deutschen Rohwaren auszugeben? Immer dann, wenn der LEH unlautere Werbung betreibt oder Preise diktiert, sollte ihn ein Sturm der Entrüstung treffen, wie das vor Weihnachten schon passiert ist. Aus meiner Sicht reicht es, wenn man sich nur einen der großen Vier herauspickt und immer wieder bearbeitet. Ist dieser einsichtig, kommen die anderen von allein. Das spart Kräfte und führt schneller zum Erfolg. Wenn man sich nur einen herauspickt, kann uns niemand den Vorwurf machen, wir gefährdeten die Versorgungssicherheit.
Also bitten wir die Politik, ihren Teil zur Abschaffung von unlauterem Wettbewerb und Dumpingpreisen und für eine soziale Marktwirtschaft auch für deutsche Bauern beizutragen. Die verbalen Signale von Olaf Lies, Stephan Weil, Barbara Otte-Kinast oder Julia Klöckner machen etwas Hoffnung.
Bauernverband und Landvolk-Landesverband müssen diese Gespräch offensiv führen und Lösungen vorantreiben.  
Wir als Kreisverband werden uns den LEH vorknöpfen und den Menschen und Medien mit unseren Möglichkeiten klarmachen, was für gierige, rücksichtslose und marktbeherrschende Oligopolisten hier am Werk sind.
Unsere Berufskollegen werden mit ihren Schleppern fantasievoll, spontan und unberechenbar ihren Teil dazu beitragen, die Situation der heimischen Landwirtschaft zu verbessern.
Gemeinsam sind wir stark und wir hören erst auf uns zu wehren, wenn wir unsere Arbeit zu 100 Prozent bezahlt bekommen!

Tobias Göckeritz, Vorsitzender

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