„So vielseitig wie kaum ein anderer Beruf“
Ein Dutzend frischgebackene Landwirte aus dem Landkreis Nienburg feierte seine Freisprechung in der DEULA.
Nienburg (ufa). Pünktlich zur Erntezeit erfahren die Betriebe im Süden des Verbandsgebietes des Landvolks Mittelweser ebenso kompetente wie tatkräftige Unterstützung: Zwölf Auszubildende wurden jetzt nach bestandener Abschlussprüfung in den Beruf – oder die Berufung – des aktiven Landwirts entlassen.
Jahr für Jahr wird bei den Feierlichkeiten zur Freisprechung Auszubildende des Berufs Landwirtin und Landwirt eine Begrifflichkeit fast schon inflationär genutzt – nicht als Floskel, sondern als anerkennende Wertschätzung: „der schönste Beruf der Welt“. Kein Redner der sie nicht verwendet. Kreislandwirt, Vertreter aus Politik, Verbänden und Landwirtschaftskammer, den Berufsbildenden Schulen… Vor allem aber die nun ehemaligen Auszubildenden selbst. Hochmotiviert starten sie in die Herausforderungen ihres künftigen Berufslebens.
Nach einer freundlichen Begrüßung durch den Gastgeber und Hausherren, dem Direktor der DEULA Nienburg Bernd Antelmann, ergriff Kreislandwirt Tobias Göckeritz das Wort: „Mit einem Notendurchschnitt von 2,8 habt ihr ein gutes Ergebnis abgeliefert, seid nun gerüstet für eure Zukunft. Und die wird nicht unbedingt einfach. Angesichts globaler Märkte, sinkender Preise und Margen, Bürokratie, Bund-, Landes- und EU-Auflagen sowie einer derzeit weltpolitisch instabilen Lage sind die Perspektiven unserer Branche nicht eben rosig, aber meiner Meinung nach leistbar.“
Der Kreislandwirt legte den Junglandwirten ans Herz, sich politisch und gesellschaftlich einzubringen: „Als Landwirte seid ihr eine wichtige Instanz – hinsichtlich der Ernährung und in der Summe aller Betriebe als wirtschaftliches Schwergewicht. Darum müsst ihr euch an den Schlüsselstellen entsprechend Gehör verschaffen. Engagiert euch in der Kommunalpolitik, beim Landvolk und den Landfrauen, in Berufsverbänden und Fachausschüssen. Bringt eure Expertise ein und werdet Entscheidungsträger für unsere Branche. Zeigt Flagge auch in eurem Umfeld, ehrenamtlich in der Freiwilligen Feuerwehr und den Vereinen vor Ort“, sagte Tobias Göckeritz, um den jungen Landwirten abschließend eine Empfehlung mit auf den Berufsweg zu geben: „Kümmert euch schon jetzt, am besten gleich morgen, um zwei Themen, die zeitlich noch weit hinter dem Horizont zu liegen scheinen: eure Altersabsicherung und die Hofnachfolge.“
In dieselbe Kerbe haute auch MdL Frank Schmädeke, Vize-Landrat im Landkreis Nienburg und Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Niedersächsischen Landtag. „Ihr könnt stolz auf eure Leistung sein. Gleichzeitig beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt, der viele Chancen bereithält. Die Landwirtschaft ist heute so vielseitig wie kaum ein anderer Beruf. Landwirtinnen und Landwirte sind längst nicht mehr nur Lebensmittelproduzenten. Sie sind zugleich Tierwirte, Wasserwirte, Landschaftspfleger, Naturschützer, Energieerzeuger, Direktvermarkter und gestalten unsere Kulturlandschaft sowie den ländlichen Raum aktiv mit. Kaum ein Beruf bietet eine vergleichbare Vielfalt an Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten.“
Was folgte waren die Auszeichnungen für die besten Ausbildungsergebnisse. Mit einem Notendurchschnitt von 1,4 hatte Carl-Louis Oehlerking in seinem Jahrgang die Nase vorn und erhielt aus der Hand des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Bernd Bargemann den Preis der Werner-Ehrich-Stiftung. Für die besten Berichtshefte sprach Tobias Göckeritz die Ehrungen an Alisa Wulf und Julian Hugo im Namen der Landwirtschaftlichen Vereine des Landkreises Nienburg aus. Alle drei Auszeichnungen beinhalteten Geldpreise.
Ein motivierendes Schlusswort lieferte Frank Schmädeke: „Ich bin überzeugt, dass mit dieser Generation junger Landwirtinnen und Landwirte unsere Landwirtschaft gut aufgestellt ist. Niedersachsen bleibt Agrarland Nummer eins – auch dank junger Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und halt diesen schönsten Beruf der Welt nicht nur auszuüben, sondern auch mit Leidenschaft zu Leben.“
Die erfolgreichen Azubis und ihre Ausbildungsbetriebe:
Till Becker, Warmsen (Ausbildungsbetriebe Dieter Meyer, Kirchdorf und Andreas Gerling, Diepenau/Nordel); Jannis Branding, Landesbergen (Johannes Vogel, Rohrsen und Marvin Campe, Staffhorst); Justin Heidorn, Drakenburg (Thomas Könemann, Landesbergen und Ludwig Reeßing, Schwarme); Julian Hugo, Warmsen (Hans-Joachim u. Torge Twachtmann, Leeste und Martin Lübber, Uchte); Lucy-July Müller, Estorf (Carsten Niemeyer, Landesbergen); Carl-Louis Oehlerking, Steimbke (Sönke Hoppe, Steimbke und Carsten Remmert, Wetschen); Sören Reinecke, Wietzen (Hilmar Allhusen, Bruchhausen-Vilsen und Jan Heinrich Noltemeier, Balge); Felix Schierholz, Martfeld (Carsten Meyer, Hilgermissen und Lars Beneke, Stuhr); Timo Staack, Martfeld (Torsten Hormann, Loccum und Marvin Campe, Staffhorst); Betty Wienberg, Syke (Henrik Backhaus, Landesbergen und Henning Arndt, Thedinghausen); Lasse Wüllmers, Bruchhausen-Vilsen (Ralf Otten, Geeste und Detmer Rippe, Thedinghausen); Alisa Wulf, Rehburg-Loccum (Jürgen Busse, Rehburg und Christian Wiggers, Rodewald).