Erträge haben sehr gelitten

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Christoph Klomburg, Jürgen Meyer und Heiner Nolte (von links nach rechts) nehmen die Blätter der Zuckerrübe in Augeschein.

Mittelweser (ine). Zurück auf den harten Boden der Tatsachen: So geht es den Landwirten, wenn sie auf ihre Erntebilanz des aktuellen Jahres blicken. „Das letzte Jahr war bombastisch und außergewöhnlich gut“, sagte Heiner Nolte, Bereichsleiter Getreide bei der Raiffeisen-Warengenossenschaft Mittelweser, im Rahmen des Erntegesprächs, zu dem das Landvolk Mittelweser eingeladen hatte. In diesem Jahr sieht es jedoch ganz anders aus: „Die Erträge haben sehr gelitten“, bilanzierte er aus Vermarktersicht. Während die Gerstenernte noch gut ausgefallen sei, seien alle anderen Getreidearten hinter den Erwartungen zurückgeblieben: „Fünf Tage Hitze haben ausgereicht, um die Erntemenge um rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu reduzieren“, so Nolte. 

Beim Roggen habe es zudem Probleme mit dem toxinbildenden Mutterkorn gegeben, dass in Futter- und Lebensmitteln nicht erwünscht ist und damit mühsam und kostenintensiv herausgereinigt werden müsse. Das befand auch Christoph Klomburg, Vorsitzender des Landvolk Mittelweser, als ärgerlich: „Denn Roggen ist eine Kultur, mit der sich auf leichten Böden gute Erträge einfahren lassen.“ Auch der geerntete Weizen kann nur als Futter verwertet werden. Durch den Anbau in den sogenannten „Roten Gebieten“ durften Kulturen seit Jahren nur noch 20 Prozent unter dem Bedarf der Pflanze mit Stickstoff gedüngt werden. „Deswegen hat der Weizen zu wenig Protein und kann nicht als Brotgetreide vermarktet werden“, erläuterte Heiner Nolte. „Wir haben jahrelang unterdüngt, jetzt ist der Boden ausgezehrt“, so Christoph Klomburg. In die Bresche springen europäische Nachbarn wie beispielsweise Tschechien: „Da holen sich die Brotmühlen ihren Brotweizen“, sagt Heiner Nolte und berichtet, dass dieser oftmals günstiger sei als der in Deutschland erzeugte Futterweizen. 

„Uns machen insgesamt die Kosten sehr zu schaffen“, sagt Christoph Klomburg. Auf allen Feldern seien die Kosten exorbitant in die Höhe geschnellt, besonders gilt dies für Dünger und Diesel. Allein für Dünger stiegen die Kosten durch die Sperrung der Straße von Hormus in den vergangenen Monaten um rund 50 Prozent. Der Dünger wird zumeist im Nahen Osten hergestellt, Lieferketten haben sich jetzt verlangsamt oder sind unterbrochen. „Außerdem wird der Wirtschaftsdünger – also Gülle und Mist – knapp, weil hierzulande immer mehr tierhaltende Betriebe aufgeben müssen“, erläuterte Christoph Klomburg. So ist allein die Zahl der Schweinehalter in Niedersachsen von 2016 bis 2026 um 44,8 Prozent auf derzeit 3.420 Betriebe gesunken.

Die Ernten, die noch ausstehen, sind die von Rüben, Mais und Kartoffeln. „Die Rüben kommen mit dem aktuellen Wetter am besten klar. Sie können sich noch regenerieren, wenn es wieder regnet“, sagte Jürgen Meyer, Vorsitzender des Landvolk Mittelweser. Das sehe bei den Kartoffeln ganz anders aus: „Alles, was nicht beregnet wird, wird nichts“, konstatierte er. Den Mais häckseln die Landwirte in diesem Jahr bereits fünf bis sechs Wochen vor dem eigentlichen Termin, damit er in der Sonne nicht vertrocknet. „Damit sind die Kolbenausbildung und der Energiewert geringer“, erläuterte Jürgen Meyer. Bei allen Herausforderungen: „Ich bin positiv gestimmt, die Landwirtschaft ist ein Zukunftsfeld. „Man kann sich in diesem Beruf trotz aktueller Widrigkeiten selbst verwirklichen“ erklärte Christoph Klomburg.