September 2026

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Jürgen Meyer

Liebe Leserinnen, liebe Leser, 

Landwirtschaft, quo vadis? Es ist mittlerweile September und Zeit der Erntefeste. Aber die Lage vieler Betriebe ist in diesem Jahr besonders prekär. Agrarminister Alois Rainer spricht auf einer Pressekonferenz am 2. September in Berlin von einer „multifaktoriellen Krise von nationaler Tragweite“. Er stellte gleich zu Anfang klar, dass es nicht nur um die geernteten Mengen geht, sondern darum, in welchem wirtschaftlichen Zustand sich die Betriebe befinden. Und das sieht bei vielen schlecht bis katastrophal aus. Jeder dritte Betrieb hat Liquiditätsprobleme.

Mit dem Ausruf der „Krise von nationaler Tragweite“ hat sein Ministerium die Möglichkeit, Hilfspakete jenseits der politischen Hürden zu schnüren. Die einzelnen Maßnahmen werden vielleicht kurzfristig weiterhelfen, sind aber letztlich nichts weiter, als Pflaster zu kleben auf eine Wunde, die genäht werden muss.

Durch die weiterhin anhaltende Bedrohungslage ist es wichtig, dass die Versorgung mit Lebensmitteln weiterhin gesichert bleibt. Aber genau das wird weiterhin untergraben, und uns wird, wo es nur geht, Steine in den Weg gelegt und Knüppel zwischen die Beine geworfen.

Zum Beispiel das Natürliche-Infrastruktur-Gesetz (NatInfG) brauchen wir nicht. Das kann weg, und zwar ganz weg. In seiner vorliegenden Fassung würde es etwa 33 Prozent (1,8 Millionen Hektar) der Landesfläche treffen. Tritt es so in Kraft, schwächt es die Eigenversorgung. Naturschutz ohne Frage ja, schon aus Eigeninteresse, aber freiwillig.

Was wir brauchen, und das nicht nur in der Landwirtschaft, sind Leitplanken und keine bis ins kleinste Detail geregelten Abläufe und Vorgaben. Das hat noch nie funktioniert und ist zum Scheitern verurteilt. Und wir können auch nicht am Markt vorbei produzieren. Wie beispielsweise bei den Tierhaltungsstufen 3 und 4 für Schweinefleisch: Die Haltungsstufen, die angeblich vom Verbraucher gewünscht sind, werden jetzt aufgrund von fehlendem Absatz gekündigt. Und das Nachsehen hat mal wieder der Landwirt, der guten Glaubens in den Bereich investiert hat.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass beabsichtigt unnötige Probleme geschaffen werden, um sie später mit viel Aufwand zu lösen und sich dann selbst dafür zu loben.

Jürgen Meyer, Vorsitzender