Februar 2026

Bild
jmeyer
Jürgen Meyer

Liebe Mitglieder,

die Stimmung in der Landwirtschaft ist geladen bis frustriert. Nach fast einem Jahr mit der neuen Regierung und einem neuen Landwirtschaftsminister ist von Aufbruch nicht viel zu spüren.

Während die Politik versucht, mit neuen Schlagworten wie dem „Deutschlandkorb“ bei den Wählern zu punkten, wächst auf den Höfen die Sorge, dass die Kluft zwischen Berliner Theorie und unserer bäuerlichen Praxis unüberbrückbar wird.

Auf dem letzten Bauerntag im Juni in Berlin klang die Äußerung von Matthias Miersch, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, „das zwar ein höherer Mindestlohn gezahlt werden müsse, aber wir dafür ja die volle Agrardieselrückerstattung zurück bekommen“, in den Ohren vieler Landwirte wie ein schlechter Witz. Für arbeitsintensive Betriebe, etwa im Obst- und Gemüsebau, ist dies eine existenzielle Bedrohung. Denn die Rechnung der Politik geht für die Bauern nicht auf: Man kann nicht gleichzeitig die Betriebsmittel verteuern und die Lohnkosten in die Höhe schrauben, ohne die heimische Produktion zu gefährden. Und dann auf eine Idee wie den „Deutschlandkorb“ zu kommen, ist genau mein Humor. Wenn der Handel gezwungen wird, Preise für diesen Korb künstlich niedrig zu halten, landet der Preisdruck am Ende wieder ganz unten in der Kette, nämlich bei uns Landwirten.

Das Dauerthema Bürokratieabbau bleibt die größte Baustelle. Alois Rainer sagte auf dem Neujahrsempfang des DBV auf der Grünen Woche, „dass eine über Jahrzehnte gewachsene Bürokratie nicht in einem Jahr abgeschafft bzw. verschlankt werden kann“, womit er wahrscheinlich auch recht hat. Immerhin wurde eine Stelle im Ministerium geschaffen, die sich ausschließlich darum kümmern soll, unnötige Bürokratie abzubauen. Ein Forderungskatalog diesbezüglich vom DBV liegt vor. Er muss nur konsequent mit einer wesentlich höheren Geschwindigkeit umgesetzt werden. Parallel dazu müssen neue Reglementierungen verhindert werden, wie z. B. beim Pflanzenschutz (seit 1. Januar 2026 in Kraft) oder in Form eines zusätzlichen Sachkundenachweises für die Bekämpfung von Schadnagern. 

Immerhin hat es Niedersachsen kurz vor Gülle-Silvester geschafft, die Verordnungen für die Roten Gebiete außer Kraft zu setzen. Und ich erwarte von unserem Bauernpräsidenten Joachim Rukwied und von Minister Alois Rainer, dass sie sich bei der Neugestaltung der zukünftigen Düngeverordnung in unserem Sinne einbringen und diese dann verursachergerecht gestaltet wird.

Wenn es die Politik nicht schafft, die wirtschaftlichen Realitäten der Höfe mit ihren geforderten Zielen in Einklang zu bringen, wird das Vertrauen der Landwirtschaft in die Politik dauerhaft verloren gehen. 

Ein „Deutschlandkorb“ allein wird nicht reichen, um die Teller zu füllen, wenn unsere landwirtschaftlichen Betriebe vorher unter Planungsunsicherheit, zu hohen Produktionskosten und Auflagen zusammenbrechen.

Jürgen Meyer, Vorsitzender