Juni 2026

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Jürgen Meyer

Liebe Leserinnen, liebe Leser, 
der Mai ist Vergangenheit. Die Getreidebestände stehen gut, der Regen kam noch rechtzeitig und auch im Juni ist mit Niederschlägen zu rechnen. Somit ist die von einigen prognostizierte Frühjahrstrockenheit glücklicherweise nicht eingetreten. Wenn es jetzt nicht noch zu extremen Wetterereignissen mit Hagel, Starkregen und Sturm oder Dauerregen während der Ernte kommt, steht einem guten Ertrag in Menge und Qualität eigentlich nichts mehr im Wege.
Aber wie wird es im nächsten Jahr? Bei  Focus online war am 29. April folgendes zu lesen: „Der nächste Preisschock kommt vom Acker, nicht vom Öl. Energiekrise, Dürre und geopolitische Konflikte drücken Lebensmittelpreise nach oben.“
Wenn es ganz schlecht läuft, ist es durchaus denkbar, das Dünger sowie Diesel mengenmäßig knapp werden. Vom Preis einmal ganz zu schweigen. Wir sind mit den Folgen der Kriege noch lange nicht durch. Aufgrund der Blockade der Straße von Hormus fehlen 20 Prozent des Erdölbedarfs. 1,5 Milliarden Barrel Öl wurden dadurch bisher nicht produziert.
Die fehlende Menge wurde zum Teil durch die Freigabe der strategischen Reserven ausgeglichen. Aber diese Reserven sind endlich.
In Europa wird zudem weniger Diesel als Benzin hergestellt, somit ist Europa  auf den Import von Diesel aus Drittländern wie China und Indien angewiesen.
Die Märkte für Schweine und Rindfleisch, Milch, Getreide und Kartoffeln sind nach wie vor unter Druck, und auch der Anbau von Zuckerrüben wird aufgrund der Preise uninteressanter und durch die Kündigung von Lieferverträgen unmöglich gemacht. Biogas wird mit Schwung vor die Wand gefahren. Dazu kommen die neuen Brandschutzbestimmungen in Niedersachsen, die nach Ansicht des Landvolk Mittelweser Stallneubauten und Umbauten – etwa für mehr Tierwohl – unrentabel oder gar unmöglich machen würden. Kritisiert werden insbesondere hohe Kosten durch die strengen Baustoff- und Anlagennormen und die fehlende Praxistauglichkeit bei der Aufschaltung von Brandmeldeanlagen. Außerdem bestehen Unklarheiten bezüglich der Nachrüstungspflichten für bereits bestehende Ställe.
Und wenn ich mir dann noch die Arbeit unserer Regierungsparteien anschaue, die in erster Linie damit beschäftigt sind, sich selbst zu zerfleischen, macht das meine Stimmung auch nicht besser.
Was bleibt als Fazit aus dieser derzeitigen Lage? Zähne zusammenbeißen und irgendwie durch?
Für die, die es wirtschaftlich überstehen, wird es irgendwann vielleicht wieder besser werden.
Denn eines steht fest: Nahrungsmittel braucht der Mensch; die Frage ist nur, woher sie kommen und zu welchem Preis. Wir in Europa werden uns auf dem Weltmarkt bedienen können, solange das nötige Geld vorhanden ist. Die Zeche zahlen am Ende die, denen es fehlt.

Jürgen Meyer, Vorsitzender