Schweine-Radar

logoEin Radar gibt Informationen, die man mit bloßem Auge nicht mehr erkennen kann. Wenn man aber die Radar-Informationen lesen und richtig einordnen kann, gibt es wertvolle Informationen, um einen sicheren Kurs durch schwieriges Gewässer steuern zu können. Ein modernes Radar hat eine Overlay-Funktion, mit der man die Karte (Notierungen) und das Radarbild (Ergebnisse) übereinanderlegen kann. Im Idealfall steht einem noch der eigene GPS-Standort (eigenes Controlling) zur Verfügung.

Hinter dem Schweine-Radar steckt eine umfangreiche Berechnung, die die wöchentlichen Schwankungen der Notierungen, Schlachtzahlen, Futterpreise, Energiekosten und weitere Parameter aufgreift und zu Direktkostenfreien Leistungen (alt: Deckungsbeitrag) und Gewinn oder Verlust verrechnet. Nun ist jeder Betrieb etwas anders aufgestellt und die Kostenstruktur und Leistungen sind nicht gleich, um aber dennoch rechnen zu können, habe ich mich an aktuell veröffentlichten Durchschnittszahlen orientiert (siehe auch „Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Ferkelerzeugung und Schweinemast“, Thünen-Institut, 11. Februar 2022). Wo keine Daten zur Verfügung standen, habe ich die Daten meines eigenen Betriebs verwendet, z. B. bei dem Wärmeenergiebedarf je Sau mit Aufzuchtferkeln von 1.700 Kilowattstunden (kWh) pro Sau und Jahr oder dem Strombedarf von 220 kWh/Sau/Jahr. Alle Ansätze erfolgen netto ohne Mehrwertsteuer. Zum einen gilt seit 2022 die Optionspflicht zur Regelumsatzbesteuerung für Betriebe über 600.000 Euro Umsatz, zum anderen wird der pauschalierte Umsatzsteuersatz weiter auf neun Prozent abgesenkt, sodass es ohnehin in Zukunft kaum noch Sinn macht, an der Pauschalierung fest zu halten.

An variablen Daten werden jede Woche die drei Notierungen (Mastschwein, Ferkel und Schlachtsau), die wöchentlichen Schweineschlachtungen, das wöchentlich durchschnittliche Schlachtgewicht und insbesondere die Futtermittelpreise verrechnet, die in der Land&Forst unter Schweinemastfutter stark NP-reduziert für Weser-Ems (vier Sorten) und Alleinfutter für Sauen (zwei Sorten) und Ferkelaufzuchtfutter ab 15 Kilogramm notiert werden. Für die Ferkel wird eine Spanne für Transport und Handel von 3,30 Euro/Ferkel angesetzt. Für die Wärmekosten fließt die untere Notierung für Flüssiggas in den 4.800-Liter-Tank bei den Sauen ein. Als feste Größen sind folgende Annahmen c. p. (ceteris paribus) gesetzt:

  • Futterverbrauch vier Phasen: 260 kg (30, 80, 65, 85 kg)
  • Maskenschlupf: 0,03 Euro,
  • Vorkosten: 5,90 Euro,
  • Arbeitszeit: 32 Minuten je Mastschwein,
  • Stundenlohn incl. Arbeitgeberkosten, Urlaub usw.: 20,66 Euro,
  • AfA: 9,00 Euro
  • sonstige feste Kosten pro Schwein: 4,50 Euro.

Bei der Ferkelerzeugung sind es 30,6 verkaufte Ferkel/Sau mit einem Gewicht von 29,9 Kilogramm. Die Zuschläge für Qualität, Impfungen, und Kastration werden mit 8,30 Euro angesetzt, das Mehrgewicht mit 1,00 Euro/Kilogramm. Die Altsau wird mit einem Schlachtgewicht von 180 Kilogramm mit 11,35 Euro Vorkosten verrechnet. Der Futterverbrauch liegt bei 621 Kilogramm für tragende Sauen, 693 Kilogramm für säugende Sauen und 1.193 Kilogramm Ferkelaufzuchtfutter. Die Kosten für die Jungsau werden mit 188 Euro über Schlachtnotierung bei 100 Kilogramm und einer Remontierung von 45 Prozent angenommen. Die Sauenverluste betragen sieben Prozent, die der Mastschweine zwei Prozent. Die Arbeitszeit bei den Sauen wird mit 12 Stunden/Sau angenommen zuzüglich 15 Minuten je aufgezogenem Ferkel. Die AfA wird mit 160 Euro und sonstige Festkosten mit 100 Euro/Sau angesetzt. Beim Strompreis wird zurzeit noch mit netto 29 Cent/kWh gerechnet, da ich noch keine belastbare wöchentliche Notierung gefunden habe.
Die Daten in der Ergebnistabelle beziehen sich auf Standard-Produktionsverfahren ohne Sonderkosten/Erlöse für Tierwohl (ITW), höhere Haltungsstufen oder Label-Programme. Gerade die aktuellen Erfahrungen lehren, dass die höheren Tierwohlkosten vom Markt nicht angemessen vergütet werden. Das wäre aber ein Thema für eine gesonderte Berechnung und Auswertung. Mehr dazu auch unter dem Stichwort: „Preiselastizität der Nachfrage“.

Tobias Göckeritz

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