landWIRTSCHAFT - Was der selbstständige Landwirt über Ökonomie wissen sollte

Es gibt eine Reihe von Begriffen, die man von seiner Bedeutung her kennen sollte, wenn man erfolgreich als Unternehmer (selbstständiger Landwirt oder selbstständige Landwirtin) am Wirtschaftsleben teilnehmen will. Auch in der Ökonomie gibt es Gesetzmäßigkeiten, die man in unserem Wirtschaftssystem nicht außer Kraft setzen kann, so sehr sich das vielleicht der eine oder andere auch erträumen mag. Das ist wie mit Naturgesetzen oder mathematischen Regeln, man kann nicht erfolgreich gegen sie arbeiten.
Hier wollen wir versuchen, in lockerer Folge Termini wie „fairer Preis“, „Preiselastizität der Nachfrage“, „Polypolisten“ oder „Prozess-Qualität“ zu erklären.

 

Fairer Preis

Der Preis ist die sich aus Angebot und Nachfrage auf einem Markt ergebende und in Geldeinheiten gezahlte Gegenleistung für eine bestimmte Mengeneinheit von erworbenen Produkten oder Dienstleistungen. Der Preis besteht daher aus Geld pro Mengeneinheit. Der Preis ergibt sich erst bei der tatsächlichen Veräußerung.
Die Preisbildung auf einem polypolistischen freien Markt erfolgt
theoretisch durch die Wechselwirkung von Angebot und Nachfrage, wobei vorausgesetzt wird, dass Markttransparenz besteht. In diesem Modell wird davon ausgegangen, dass sich der Preis auf dem Markt so einpendelt, dass er Angebot und Nachfrage ausgleicht; die dabei entstehende Preis-Menge-Kombination ist das „Marktgleichgewicht“. Übersteigt das Angebot die Nachfrage, so sinkt der Preis. Zu diesem tieferen Preis sind mehr Nachfrager bereit, das Produkt zu kaufen, aber weniger Anbieter bereit, das Gut anzubieten. Die Nachfrage steigt und das Angebot sinkt, damit wird erneut ein Gleichgewicht erreicht.
Ein Produkt ist nur so viel wert, wie ein Dritter bereit ist dafür zu zahlen. Der Preis gibt keine Auskunft über die Herstellungskosten eines Produktes.
Nun gibt es immer wieder Versuche den Preis durch Nischenbildung oder „Geschichten“ (siehe Produktqualität/Prozessqualität) zu erhöhen, in der Regel sind dies Markenzeichen oder Label, die einen Mehrwert und damit einen höheren Preis generieren sollen. Da wären z. B. Coca-Cola, Tempo Taschentücher, das Fairtrade-Siegel, Faire Milch, Bio, Herkunftsnachweise wie „5-mal D“, Haltungsform 1 bis 4 des Lebensmitteleinzelhandels oder die fünf Haltungsstufen der Bundesregierung. Alle diese Label haben eines gemeinsam, sie sind lediglich ein Angebot an die Kunden. Ein Preis dafür muss sich erst am Markt finden und muss nichts mit der Deckung der Herstellungskosten dieser Label-Produktionsformen zu tun haben.
Neben den freiwilligen Angeboten, die den freien Marktkräften unterworfen sind, gibt es immer wieder staatliche Eingriffe, die auf die Preise direkt einwirken. Da ist zunächst der Zoll, der die Preisfindung im Binnenland (EU) vor günstigeren Herstellungskosten im Ausland schützen soll. Diese nationalen Zölle wurden durch die EU-Verträge innerhalb der EU vollkommen abgeschafft, aber auch mit dem außer-europäischen Ausland durch Handelsabkommen immer weiter reduziert oder abgeschafft. Da sind z. B. die Regeln der WTO, Freihandelsabkommen EU-Schweiz, Mercosur, CETA und TTIP. Bei Gütern, die nur im Binnenland vorkommen, wie Arbeitskraft, Mietraum, Boden oder Pachtland gibt es sozialistische Ansätze um die Preise abgekoppelt von Angebot und Nachfrage nach oben oder unten zu begrenzen. Der Mindestlohn von 12,00 Euro/Stunde liegt offensichtlich höher als die Nachfrage nach ungelernten Arbeitskräften, die Abweichung vom Markt führt zu verstärkter Automation oder Abwanderung dieser Arbeit ins billigere Ausland z. B. nach Polen mit 3,81 Euro Stundenlohn. Die ungelernten Arbeitskräfte werden arbeitslos. Neben den gescheiterten Versuchen von Mietpreisdeckeln, z. B. in Berlin, gibt es auch auf dem Bodenmarkt in Niedersachsen solche Ansätze. Im Koalitionsvertrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen heißt es dazu: „...werden wir zur Dämpfung steigender Kauf- und Pachtpreise im ersten Halbjahr 2023 ein Gesetz zur Sicherung und Verbesserung der bäuerlichen Agrarstruktur einbringen.“
In dem Entwurf der beiden Parteien vom Dezember 2016, dem Niedersächsischen Agrarstruktursicherungsgesetz NASG hieß es dazu unter § 9 (4)1 „Ein grobes Missverhältnis liegt in der Regel vor, wenn der Kaufpreis den aus dem Grundstücksmarktbericht für die Gemeinde, auf deren Gebiet das Grundstück liegt, ermittelten durchschnittlichen landwirtschaftlichen Verkehrswert um 30 Prozent übersteigt.“ Beim Pachtpreis heißt es im NASG § 22 (1) Die zuständige Behörde kann einen anzuzeigenden Pachtvertrag (…) beanstanden, wenn: „die Pacht der ermittelten durchschnittlichen Pacht für vergleichbare Pachtflächen in der Gemeinde, auf deren Gebiet das Grundstück liegt, um mehr als 30 Prozent übersteigt.“
Einen fairen Preis gibt es also nicht. Entweder hat sich der Preis durch Angebot und Nachfrage am Markt gebildet, oder er wird durch wechselnde politische Vorgaben eine bestimmte Zeit lang definiert, was aber immer Abwehrreaktionen des Marktes nach sich ziehen wird. Für uns als Polypolisten bleibt nur die Anpassung.

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