„Das ist ernüchternd“

„Das ist ernüchternd“

von Regine Suling
Die Hasseler Landwirte Ralf Straßburg (links) und Jan-Hein Asendorf beklagen aufgrund der Dürre hohe Ernteausfälle.
Hassel

 „Die Erträge sind katastrophal“, sagt Landwirt Ralf Straßburg. Sein Kollege Jan-Hein Asendorf, mit dem er unter anderem eine Maschinengemeinschaft bildet, pflichtet ihm bei: „Wir haben uns mehr erhofft.“ Bei den beiden Ackerbauern und Schweinemästern in Hassel schlagen die Auswirkungen der Dürre durch, trotz intensiver Beregnung: „Ich habe mehr als die vierfache Menge des vergangenen Jahres an Wasser gebraucht“, berichtet Ralf Straßburg.
Dennoch blieb der Erfolg dieser Maßnahme aus: „Im letzten Jahr haben wir 53 Tonnen Mais pro Hektar geerntet, in diesem Jahr waren es 24 Tonnen“, sagt der Landwirt. Auch die Kartoffeln, die auf sehr sandigem Boden stehen, beregnete er intensiv. Hier rechnet er mit einer mageren Ausbeute von 25 Tonnen pro Hektar, da, wo sonst bis zu 40 Tonnen üblich seien. „Denn ohne Wasser kommt einfach kein Massenwachstum zustande.“ Positiv sei die Reaktion der Stärke-Industrie auf die Ernte-Ausfälle gewesen. Diese habe gleich Unterstützung in Form von Sonderprämien zugesagt. „Eine Woche später war schon der Antrag da.“ Einzige Bedingung: Die Landwirte dürfen im nächsten Jahr ihre Kartoffelanbauflächen nicht verringern. Straßburg und Asendorf beurteilen diese Maßnahme sehr positiv. „Aber von der Zuckerindustrie kommt gar nichts“, haben sie festgestellt. Denn die Einbußen sind insgesamt erheblich: „Bei Gerste sind es 30 Prozent, bei Weizen 20 Prozent und bei Roggen 27 Prozent weniger als 2017“, zählt Ralf Straßburg auf. Auf der Positiv-Seite steht bei ihm nur der Raps, der um vier Prozent zulegte. Der Einsatz der Beregnung habe Erfolge gebracht, zumindest auf dem Acker. „Ohne Beregnung wäre das gar nichts geworden“, glaubt Jan-Hein Asendorf. „Aber ob das ein wirtschaftlicher Erfolg ist?“, fragt Ralf Straßburg eher rhetorisch. Immerhin lief allein sein Diesel-Aggregat 1.400 Betriebsstunden zwischen Mai und September, um die Beregnung in Gang zu halten. Bei einem Verbrauch von rund sieben Litern Diesel pro Stunde lassen sich schnell die Zusatzkosten errechnen, die die Landwirte leisten mussten, um am Ende eine geringe Ernte einzufahren. Hinzu kam der ständige Umbau der Beregnung, die rund um die Uhr lief. „Da ging man irgendwann am Stock“, sagen die beiden. Bei all dem Aufwand sei das Ergebnis nur mit einem Wort zu beschreiben: „ernüchternd“. „Normalerweise fängt der eine Bereich den anderen auf, wenn es mal schlecht läuft“, weiß Ralf Straßburg aus Erfahrung. Doch auch die Schweinepreise befänden sich in einem Tief. Er behält sein Getreide und mahlt es für seine Schweine selbst. Dafür reicht seine Ernte in diesem Jahr auch. „Aber sonst habe ich immer noch Getreide verkauft.“ Diese Einnahmequelle bleibt dieses Mal aus. Jan-Hein Asendorf verkauft sein gesamtes Getreide und kauft Mischfutter zu. Auch hierfür seien die Preise bereits gestiegen. Eine Dürre wie in 2017 haben beide Landwirte noch nicht erlebt. „Nur 2002/2003 war es ähnlich“, erinnert sich Ralf Straßburg. 2018 fielen in Hassel im Mai 17 und im Juni 24 Millimeter Regen – viel zu wenig, um das Wachstum auf den Äckern in Gang zu bringen und aufrecht zu erhalten. Die Einbußen treffen die Landwirte hart. Bis dieses Tief wirtschaftlich überwunden sei, werde es einige Zeit dauern, sagt Ralf Straßburg.