Meine Meinung von Tobias Göckeritz, Vorsitzender vom 8. November 2019 - 9:42

Meine Meinung von Tobias Göckeritz, Vorsitzender vom 8. November 2019 - 9:42

Liebe Leserinnen und Leser,

der 22. Oktober 2019 ist für mich ein Wendepunkt. Nicht, weil es die größte Treckerdemo aller Zeiten in Deutschland war, sondern weil die Demos in ganz Deutschland innerhalb von drei Wochen ohne Bauernverband auf die Beine gestellt wurden. Die Mobilisierung, insbesondere der jüngeren Berufskollegen, war gigantisch. Der Ablauf friedlich und professionell. Machen wir uns nichts vor, der Bauernverband kann eine solche Beteiligung nicht (mehr) erreichen und hätte sie für unmöglich gehalten. Die alten Herren an den Spitzen unserer Landesbauernverbände (etwa in meinem Alter) stehen fassungslos vor dem Geschehen. Ich habe den Eindruck, viele verstehen nicht, was das für die berufsständische Arbeit der Zukunft bedeutet. Das Internet mit seiner wirklichen Pluralität der Meinungen und Informationsgeschwindigkeit lässt altes Herrschaftswissen im Nichts verrauchen. Die Wirklichkeit überholt langwierige Fachausschussarbeit und Fachreferenten. Insbesondere dann, wenn es nicht mehr gelingt, die Ergebnisse der Facharbeit auch nur ansatzweise in die praktischen politischen Entscheidungen einfließen zu lassen. Vor lauter Facharbeit, bei den immer neuen und aberwitzigen Baustellen, die die Mainstream-Politik, getrieben von NGO und Medien aufreißt, haben viele übersehen, was wirklich draußen auf dem Land los ist. Es geht nicht um zwei Prozent Strukturwandel, den es schon immer gab, sondern um die Zukunft unserer 25- bis 45-jährigen Kollegen. All jene, die Zukunftsperspektiven brauchen, über die Restnutzungsdauer ihrer bestehenden Ställe und Maschinen hinaus. Was alle Bauern eint, egal welcher Produktionsrichtung und Größe: Es kann so nicht weiter gehen, das Fass ist übergelaufen!
Ich unterstütze alle Aktivitäten unserer Kollegen: die Nachdenklichen, die mit „Grünen Kreuzen“ zum Gespräch mahnen, diejenigen, die aufs Tempo drücken und die Verabschiedung der nächsten Verordnungen in Land und Bund mit rollenden Traktoren beeinflussen wollen und auch die, die aktiv angreifen und klar machen: „Wir sind es nicht allein!“ Es ist richtig, dafür auf Angriff zu schalten und sich nicht alles von der Politik gefallen zu lassen.
Ich bin froh, dass wir in Mittelweser so gut aufgestellt sind und dankbar für den Einsatz unserer Admins und Blogger aus dem Vorstand. Damit hat unser Berufstand eine Zukunft.

Tobias Göckeritz, Vorsitzender
Geändert am: 
08.11.2019 - 09:42