Meine Meinung von Tobias Göckeritz, Vorsitzender vom 7. Februar 2019 - 6:03

Meine Meinung von Tobias Göckeritz, Vorsitzender vom 7. Februar 2019 - 6:03

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn man die angespannte Diskussion um die befristete Abschussgenehmigung des Rodewalder Rüden (nur eines von sechs Tieren aus diesem Rudel) verfolgt, dann bin ich erschrocken über die starke Polarisierung, die in allen Bereichen zu Unrecht nur noch wahrgenommen wird. Danach gäbe es nur noch Wolfs-Hasser und Wolfs-Kuschler. Ich bin ganz sicher, dass die ganz große Mehrheit sich lieber mal mit Fakten auseinandersetzen würde. Faktum ist: der Wolf ist als Art aufgrund des riesigen Verbreitungsgebietes und mit über 100.000 Individuen nicht gefährdet (IUCN: least concern).
Es handelt sich um ein intelligentes, großes Raubtier mit einer exponentiellen Vermehrungsrate in Deutschland. Alle 2,5 Jahre verdoppelt sich der Bestand. Es gibt keinen Grund, eine Art, noch dazu wenn sie nicht bedroht ist, dermaßen zu einem „goldenen Kalb“ zu stilisieren? Man weiß, dass sich der Wolf innerhalb von drei Monaten locker über 1.000 Kilometer fortbewegen kann. Wölfe sind in Deutschland ständig eingewandert und waren nie ausgerottet. In der DDR wurden sie kontinuierlich bejagt. Die Politik muss die Rechtsnormen endlich den Realitäten anpassen um Wolf, Weidetierhaltung und Menschen im ländlichen Raum gerecht zu werden! Nur so kann es ein Nebeneinander geben. Die Monitoringdaten des Dokumentationszentrums DBBW müssen endlich um ihre systematischen Fehler bereinigt und die Anzahl aller Individuen muss veröffentlicht werden. Es muss endlich Transparenz über die Untersuchung der DNA-Proben von Rissen hergestellt werden. Wenn die Landesregierung hier nicht endlich liefert, dann wird es immer mehr Grabenkämpfe der Verwirrten geben. Solange eine ganze Spenden- und Monitoring-Industrie sehr gut vom Wolf lebt und die Politik nicht endlich die Rechtsnormen den Realitäten anpasst, wird die Polarisierung immer schlimmer werden.
Es ist ein Gesamtkonzept zum aktiven Wolfsmanagement erforderlich. Dazu gehört die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht, die Definition von „No-go-areas“, von Sicherheitsabständen zu Häusern und Siedlungen und die Festlegung von Zielbeständen und deren Regulierung. Hier liegt die Hoffnung auf unseren Abgeordneten und Ministern, die die Vorlage eines Gesamtkonzeptes erstellen könnten.  
Ceterum censeo lupo esse regendam.

 

Tobias Göckeritz, Vorsitzender
Geändert am: 
07.02.2019 - 06:03