Meine Meinung von Andreas Gerling, stellv. Vorsitzender vom 16. September 2019 - 9:31

Meine Meinung von Andreas Gerling, stellv. Vorsitzender vom 16. September 2019 - 9:31

gerling
Liebe Leserinnen und Leser,

jeder von uns ist eingespannt in seinen Betrieb, den seines Arbeitgebers oder blickt respektvoll auf die Arbeit seiner Nachbarn und Geschäftspartner. Der unmittelbare Umgang mit der Landwirtschaft schärft das Verständnis für die Fragen und Herausforderungen, mit denen sich Landwirte bei ihrer Arbeit konfrontiert sehen. Aus diesem Blickwinkel – neudeutsch „Blase“ – heraus, nimmt man mit Entsetzten die Leistungen der politisch Verantwortlichen in Berlin wahr.
Mein Betrieb befindet sich in unmittelbarer Nähe zu einer Grundwassermessstelle des NLWKN mit 182 Milligramm Nitrat. Ebenso weit entfernt bewirtschaften wir Flächen im Trinkwassergewinnungsgebiet, in dem die Werte zwischen null und zwölf Milligramm Nitrat betragen. Niemand kennt die Ursachen.
Der Insektenschutzvorstoß der bekannten Ministerinnen basiert auf gleichermaßen unkonkreten Erkenntnissen.
Ich erkenne in dieser zu Umwelt- und Gesellschaftspolitik degradierten Landwirtschaftspolitik, Geltungs- und Profilierungssucht von weitgehend ungelernten Entscheidern, vor allem auf höchster Ebene.
Gerade dieser Umstand stößt umso bitterer auf, als dass mit dem erhobenen Zeigefinger auf die Komplexizität der Natur, eigentlich Kulturlandschaft, hingewiesen wird, um wiederum leicht Schuldige zu finden, und einfache Lösungen anzubieten.
Die landwirtschaftliche Interessenvertretung darf sich bei aller Emotionalität und Schärfe der Auseinandersetzung aber nicht auf eine Unsachlichkeit begeben, die ihr später Vorgeworfen werden könnte. Unsere Forderungen müssen scharf in der Sache sein. Zum Beispiel der Hinweis auf das unkontrollierte Einleiten von städtischen Abwässern in unsere Flüsse, die zu über 60 Prozent durchlässigen Kanalisationen oder der angebliche Rückgang der Artenvielfalt mit der Zunahme von Naturschutzgebieten, Ausgleichsflächen und Agarumweltmaßnahmen. Genau dort müssen wir Moratorien fordern, da letztendlich keine Folgenbewertung getroffen wurde. Und noch weniger eine Folgenabschätzung bei den aktuellen politischen Forderungen gegenüber der Landwirtschaft.
Einer Wegwerfgesellschaft muss nicht zwingend eine Wegwerfpolitik erwachsen.

 

Andreas Gerling, stellv. Vorsitzender
Geändert am: 
16.09.2019 - 09:31