Meine Meinung von Tobias Göckeritz, Vorsitzender vom 11. September 2020 - 10:46

Meine Meinung von Tobias Göckeritz, Vorsitzender vom 11. September 2020 - 10:46

Liebe Leserinnen und Leser,

das Wohl unserer Betriebe wird wesentlich von der Politik bestimmt. Bauern haben sich schon von jeher mit dem wechselnden Wetter und schwankenden Erträgen auseinander gesetzt und dafür Vorräte gebildet,  sofern es denn die Erträge hergaben. Durch die Globalisierung, beginnend eigentlich schon mit dem Import von Guano und Getreide mit den Groß-seglern aus der „Neuen Welt“, sind die Preise für unsere Produkte sehr volatil geworden. Die Verschuldung der Bauern hat zugenommen. Das hat schon in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu Bauernprotesten und Demonstrationen geführt. Die Katastrophen der Weltkriege haben jeweils dazu geführt, dass sich die Menschen wieder darauf besonnen haben auch eine heimische Lebensmittelproduktion zu erhalten. Aus diesen Erfahrungen ist die Gemeinsame Agrarpolitik in Europa entstanden, mit abgesicherten Produktpreisen für die Bauern und Zollschranken für Agrarimporte. Durch zahllose Reformen und Handelsabkommen wurden sowohl der Außenschutz als auch die abgesicherten Preise immer weiter abgebaut. Die Zauberworte waren Gemeinsamer Markt (mit gleichen Wettbewerbsbedingungen unter den europäischen Mitgliedsländern) und produktneutrale Ausgleichszahlungen für die Flächenbewirtschaftung. Beides wird immer weiter abgebaut und beschleunigt den Strukturwandel und auch die Fähigkeit, die Menschen in Deutschland mit heimischen Produkten ernähren zu können. Neben den Risiken durch Wetter und volatile Märkte ist für die deutschen Landwirte zunehmend das Politikrisiko dominierend. Man verabschiedet sich in Deutschland immer mehr von gleichen Wettbewerbsbedingungen im Europäischen Markt. Entgegen vollmundiger Behauptungen wird ein deutscher Sonderweg nach dem anderen beschritten, natürlich ohne entsprechenden Ausgleich der entstehenden innereuropäischen Wettbewerbsnachteile für die deutschen Bauern. Die Hoffnung durch Corona auf die Anerkennung einer Systemrelevanz der heimischen Landwirtschaft hat sich leider nicht erfüllt. Die Regale sind voll, die Produktion wandert ins Ausland, die ländlichen Räume werden abgehängt und die Politik macht Schulden auf Kosten der kommenden Generationen, bis zum nächsten Knall.

 

Tobias Göckeritz, Vorsitzender
Geändert am: 
11.09.2020 - 10:46