Meine Meinung von Tobias Göckeritz und Christoph Klomburg, Vorsitzende vom 14. Dezember 2020 - 17:16

Meine Meinung von Tobias Göckeritz und Christoph Klomburg, Vorsitzende vom 14. Dezember 2020 - 17:16

Liebe Leserinnen und Leser,

von drauß’ vom Lande komm ich her,
ich muss euch sagen, auf den Höfen geht es nicht mehr!

Doch können wir selbst etwas daran ändern?
Auf der einen Seite haben wir die Politik, die kontinuierliche Veränderungen und vermeintliche Verbesserungen fordert und mittlerweile auch stringent, unbeirrt und ohne Folgenabschätzung ordnungsrechtlich durchsetzt - nur um sich bei der nächsten Wahl möglichst „grün“ darzustellen oder besser noch, grüner als grün.
Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, liegt es doch in unser aller Interesse nachhaltig zu handeln. Nur merken die Verantwortlichen meist sehr schnell, dass solche ambitionierten Ziele nur selten von den Betrieben mitgegangen werden. Warum, fragt sich meist keiner, also wird ein Gesetz erlassen, um diese Ziele zu erreichen.
In den meisten Fällen hat es aber nicht mit Wollen, sondern schlichtweg mit Können zu tun. Wir können es finanziell einfach nicht umsetzen.
Aktuell hängen über allen Bereichen der Lebensmittel-Erzeugung dunkle Wolken. Hier wird nicht nur kein Geld verdient, sondern zusätzlich Eigenkapital vernichtet.  Dabei spielt die Größe des Betriebes keine Rolle.
Wer bei einer solchen finanziellen Lage auf Umsätze verzichtet oder unnötige Mehrkosten schafft, der gräbt sich immer schneller in die Tiefe und arbeitet sich arm.
Ein temporärer Verzicht auf Lohnansatz und Unternehmergewinn ist in der Landwirtschaft leider üblich und kann nach guten Jahren manchmal ausgeglichen werden. Es darf aber nicht zum Normalzustand werden. Auch in guten Jahren erreichen viele Landwirte und mitarbeitende Familienangehörige nur über einen hohen Stundeneinsatz einen angemessenen Jahreslohn. Der Mindestlohn wird dabei in vielen Fällen unterschritten.
Demgegenüber steht die abnehmende Hand, die nicht müde wird, der vermeintlichen Konkurrenz Marktanteile abzuluchsen. Das geht natürlich hauptsächlich über einen niedrigeren Preis oder mit einem Mehrwert beim Kauf – durch Qualitätssiegel und Label.
Am Anfang lockt der Handel die Betriebe mit Zuschlägen, um die entstehenden Mehrkosten auszugleichen, nicht aber den fehlenden Gewinn. Die Programme laufen dann einige Zeit und beim Auslaufen bleiben die höheren Anforderungen bestehen.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Zertifizierungsstellen mit einer großen Prüferschar, um jedes Jahr neue Auflagen zu entwickeln und somit ihre Daseinsberechtigung zu erhalten und auszubauen.
Um für diese Prüfungen die benötigten Anträge und Dokumentationen parat zu haben, bedarf es wiederum einiger Berater. Für die Höfe sind das zusätzliche und einseitige Kosten!
Zwischen der Landwirtschaft und den Verbrauchern werden sich reichlich und ungeniert die Taschen gefüllt.
Der Handel ist nicht unser Freund. Er schätzt zwar die deutsche Ware im Regal, würdigt diese aber nicht im Preis. Die Unternehmen versuchen alles, um Kunden mit Lockangeboten ins Geschäft zu bekommen. Mit Lebensmitteln scheint das bislang am besten zu funktionieren.
Das haben wir viel zu lang hingenommen und mitgemacht. Der Handel kann zwar weiter so agieren, muss das aber künftig selbst bezahlen. Denn werbestellt und nicht fair bezahlt, der sollte selbst ausgelistet werden!
Ebenso gehört eine Politik, die fordert und beschließt, aber selbst nichts liefert und möglich macht, nur noch bloßgestellt! Wir haben zwar einen gemeinsamen Markt in Europa, aber unterschiedlich hohe Auflagen und so auch zwangsläufig Kostenunterschiede.
Die Politik arbeitet dem Handel perfekt zu, indem er den Preisansatz im günstigeren Ausland suchen kann und es darüber hinaus fünf Handelsbossen ermöglicht über 85 Prozent Marktanteil zu besitzen! (Arten-) Vielfalt ist auch hier einzufordern und wäre von Vorteil!
Genauso fehlen schon lange die Aufschreie von vermeintlichen Umweltverbänden, die hier ganz deutlich eine Lanze für die deutsche Lebensmittelproduktion brechen müssten und sich eigentlich klar von einer ausländischen Produktion distanzieren müssten. Wir haben beste Haltungsbedingungen, reduzieren unsere Tierbestände immer weiter und importieren die Fehlmengen zu völlig anderen Bedingungen.
Aber das ist wie bei vielen Dingen weit weg und nicht spendenfähig - dann lieber vor Ort draufhauen und mit stetig neuen Meldungen bewusst falsche Bilder malen. Nicht ein neues Jahr, wo nicht angeblich etwas schlechter wird – finanziell komfortabel ausgestattet und mitgliederstark wird die Politik zum Handeln gedrängt. Die Politik – also gewählte Volksvertreter – reagieren darauf immer häufiger mit Verboten, obwohl diese oft wissenschaftlich und fachlich nicht zu begründen sind.
Wir erleben auf den Höfen Druck von allen Seiten und man könnte es als Sandwichposition bezeichnen - in Wirklichkeit sind es aber Mühlsteine die uns langsam aber stetig zermahlen.
Der Verbraucher merkt davon meistens wenig und ihm ist nur teilweise etwas vorzuwerfen. Senkt er doch – wie wir alle – seine Kosten. Da heimische Lebensmittel nicht durchgängig ausgezeichnet werden, kann er dies nur im günstigen Lebensmitteleinkauf oder im Verzicht auf andere Dinge tun. Letzteres ist für ein Konsumland wie Deutschland nachteilig, stützt der Konsum doch die heimische Wirtschaft, füllt das Steuersäckchen und schafft Arbeitsplätze.
So betrachtet, erklärt es die vielen Lippenbekenntnisse der Politik und die Dauerbaustelle Landwirtschaftspolitik!
Doch das ist alles nichts Neues. Neu ist allerdings die Bereitschaft vieler Berufskollegen, massiv gegen solche Praktiken anzugehen. Wurde jahrelang der ruhige Weg probiert, werden es mittlerweile Demonstrationen und Blockaden. Was bleibt einem Ungehörten auch übrig, wenn alles Mahnen nicht gehört werden will und süffisant unter den Tisch fallen gelassen wird.
Auch unser Landvolk musste eine Demonstration veranstalten, nur um einen Gesprächstermin beim NLWKN zu bekommen! Wenn so etwas in Zukunft zum Standard werden soll - nur zu… Wir sind bereit und lernen stetig dazu - die Gründe für Gespräche mehren sich täglich. Unsere Not schweißt zusammen und macht bekanntlich erfinderisch!
Wir als Vorsitzende wünschen allen, trotz aller Corona-Einschränkungen ein frohes Fest, besinnliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Bleiben Sie gesund!

Tobias Göckeritz und Christoph Klomburg, Vorsitzende
Geändert am: 
14.12.2020 - 17:16