Meine Meinung von Christoph Klomburg, Vorsitzender vom 9. Oktober 2020 - 10:03

Meine Meinung von Christoph Klomburg, Vorsitzender vom 9. Oktober 2020 - 10:03

Liebe Leserinnen und Leser,

trotz aller Dankbarkeit für die eingefahrene Ernte – ja, das kann und sollte man auch bei schlechten Erträgen sein – denke ich am Erntedankfest auch immer öfter: „Sind die Landwirte eigentlich die einzigen, die so etwas zu schätzen wissen?“
Mittlerweile ist die Selbstverständlichkeit bei der Lebensmittelverfügbarkeit anscheinend auch gleichzeitig eines unser größten Probleme, da jedes Lebensmittel zu jeder Zeit, zu einem erschwinglichen Preis verfügbar ist. Die Lebensmittelverschwendung spricht eine deutliche Sprache und zeigt nur, wozu Sonderangebote und Niedrigstpreise führen können.
In Deutschland erreicht der Spagat zwischen der politischen Idealvorstellung und der knallharten Preispolitik des Handels, für die landwirtschaftlichen Betriebe eine schnell wachsende und schmerzhafte Spannweite.
In der Krise zeigte sich einmal mehr, was eine heimische Landwirtschaft wert ist, wenn die globalen Zahnräder des Handels nicht mehr wie gewohnt ineinander greifen können. Ob nun Krise oder Erntedankfest, lobende Worte sind schnell gesagt, gern gehört und schmeicheln der Bauern-
seele. Aber was sind solche Worte wert, wenn der Alltag auf den Höfen an die Grenzen der Belastbarkeit führt. Die Betriebsleiter versuchen den Betrieb am Laufen zu halten, aber am Horizont türmt sich ein stetig wachsender Berg auf.
Selbst gut aufgestellte Betriebe werden bei diesen Zukunftsaussichten wohl kaum die Kraft, Ausdauer und Lust finden, diesen Weg überhaupt zu gehen. Warum sollte man einen Weg gehen, auf dem einem immer noch mehr Steine in den Weg gelegt werden. Man kann mit diesen Steinen aktuell nicht mal etwas bauen, da Baugenehmigungen für moderne und gewünschte Tierwohlställe nicht ermöglicht werden.
Auch der Ackerbau wird durch fachfremde und abstrakte Gebietskulissen immer weiter von der Wirklichkeit entfernt definiert.
Kurz gesagt, der Turmbau zu Deutschland schreitet voran und wir verstehen einander immer weniger.

Christoph Klomburg, Vorsitzender
Geändert am: 
09.10.2020 - 10:03