Liebe Leserinnen und Leser,
die Bezirksversammlungen für dieses Jahr liegen hinter uns, sie waren gut besucht. Manchmal denke ich, gerade die jüngeren Berufskollegen, die noch zwanzig, dreißig Jahre praktische Landwirtschaft betreiben wollen, könnten ruhig etwas zahlreicher erscheinen. Vielleicht denken sie: „Was soll ich mit Agrarpolitik? Das bringt nur Stress, immer mehr Bürokratie und die Prämien werden auch ständig gekürzt. Ich konzentriere mich lieber auf meinen Betrieb, da habe ich ohnehin genug zu tun und da liegt meine Zukunft!"
Genau - nur wer seinen Betrieb pflegt und entwickelt, wird mittelfristig eine Zukunft als selbständiger praktischer Landwirt haben. Es gab die Zeit, als die ldw. Vereine gegründet wurden, da hat man sich um Produktionstechnik, Pflanzenbau und Tierzucht gekümmert, die Märkte waren geregelt. Der beste Produktionstechniker war auch der erfolgreichste Unternehmer. In dem Maße wie die Agrarmärkte liberalisiert wurden, in dem Maße hat auch die Betriebswirtschaft in die Betriebe Einzug gehalten. In der höheren Landbauschule oder während der Meisterausbildung stehen Zahlen, genauer gesagt Euros, im Mittelpunkt. Wer Erlöse und Kosten nicht im Griff hat gehört nicht mehr zu den Erfolgreichen und verliert auf Dauer seinen Betrieb. Der Unterschied von erfolgreichen zu weniger erfolgreichen Schweinemästern hängt heute im Wesentlichen von seinen kaufmännischen Fähigkeiten beim kaufen und verkaufen ab, die Produktionskennzahlen sind fast gleich. „Wer nicht mit der Zeit geht - der geht mit der Zeit!" Also was sind in Zukunft die Herausforderungen an einen erfolgreichen Landwirt?
Es läuft eine gewaltige Nostalgiewelle gegen die konventionelle Landwirtschaft. Die Sattheit und der Überfluss in der deutschen Gesellschaft, die Komplexität der naturwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge erwecken den Wunsch der Menschen nach einfachen Lösungen. Ein paar Hühner im Hof, Mastschweine im Stroh und Milchkühe auf der Weide, höhere Tiergesundheit durch Verbot von Medikamenten, auskömmliches Betriebseinkommen durch Reduzierung der Produktion.
Ich meine, wir haben nur die Möglichkeit, dass jeder Einzelne von uns, und ganz besonders die Jungen, auf die Menschen seiner Nachbarschaft zugeht und erklärt, was wir Landwirte machen und warum. Neben Kenntnissen in Produktionstechnik und Ökonomie braucht jeder landwirtschaftliche Unternehmer in Zukunft Medienkompetenz und wenn nicht jeder Einzelne einen Teil seiner Arbeitszeit und seines Geldes in Öffentlichkeitsarbeit investiert, dann hat er keine Zukunft als Bauer.
Tobias Göckeritz, Vorsitzender
Informationen rund um die Landwirtschaft in unserer Region: www.landwirtschaft-mittelweser.de
Geschäftsstelle Syke
Telefon: (0 42 42) 59 50
Fax: (0 42 42) 59 58 0
Grünes Zentrum Nienburg
Telefon: (0 50 21) 96 86 60
Fax: (0 50 21) 96 86 61 9
Unsere Meinung zu Ihrer Meinung
Sehr geehrter Herr Göckeritz,
von Peter Herberg sen. und jun. | 15.02.2012 09:11zu Ihrer Meinung, dass der Unterschied von erfolgreichen zu weniger erfolgreichen Schweinemästern im Wesentlichen von kaufmännischen Fähigkeiten abhängt und die Produktionskennzahlen fast gleich sind, möchten wir an dieser Stelle folgend [mehr]es anmerken.
Die erfolgreichen Betriebe haben im Durchschnitt eine um 1 zu 0,25 bessere Futterverwertung, bessere Indexpunkte und ca. 80 g mehr tägliche Zunahmen. Dies sind nur 3 produktionstechnische Punkte, die die ökonomische Leistung des Betriebes deutlich verbessern. Die oben genannten Punkte können schon ein Resultat von optimierten Haltungsbedingungen sein.
Mit solchen Äußerungen in der Öffentlichkeit sollte man im Zusammenhang mit der Debatte um Massentierhaltung unserer Meinung nach vorsichtig sein, da es so interpretiert werden könnte, dass das Wohlergehen der Tiere, wofür die biologische Leistung der Indikator ist, für die Wirtschaftlichkeit egal ist und die Tiere deshalb nicht artgerecht gehalten werden müssen. Diese Aussage ist damit ein gefundenes Fressen für Debatten, wie „Wir haben es satt!“
Wir wünschen uns in dieser Debatte mehr Sachlichkeit und Vorsicht bei den Äußerungen. Nicht nur, dass Berufskollegen durch solche Äußerungen verwirrt werden können. In der Debatte um die niedersächsische Schweinehaltungsverordnung legen wir uns damit selber Steine in den Weg, da uns das Tierwohl anscheinend nicht wichtig ist für den wirtschaftlichen Erfolg.
Mit freundlichen Grüßen Peter Herberg sen. und jun.